Kundensupport rund um die Uhr

Einblicke

Die Entscheidung der Europäischen Union, den Typ-C-Ladeanschluss zum Standard zu machen, könnte Apple zum Verzweifeln bringen

1. Dezember 2022

Die Europäische Union hat angekündigt, innerhalb von zwei Jahren den USB-Typ-C-Standard für alle neuen elektronischen Geräte einzuführen. Das bedeutet, dass jedes neue Gerät, das bis Ende 2024 auf den Markt kommt, mit einem USB-Typ-C-Ladegerät oder -Kabel ausgestattet sein muss. Vor diesem Hintergrund wollte Astute Analytica herausfinden, wie Apple mit dieser bevorstehenden Umstellung zurechtkommt. Das Ergebnis?

Diese Entscheidung dürfte Apple erheblich treffen, da der Großteil des Umsatzes auf Smartphones und Ladegeräte entfällt. Astute Analytica rechnet mit einem Rückgang der iPhone-Verkäufe in der EU um rund 10 Prozent, während auch der Absatz von Ladezubehör deutlich sinken dürfte. Die EU argumentiert, die Maßnahme sei notwendig, um die umweltfreundliche Nutzung von Elektronik zu fördern, doch sie wird sich definitiv auf Apples Umsatz auswirken.

Wie lautete die Entscheidung?

Im Oktober 2022 gab die Europäische Kommission ihre Entscheidung bekannt, den USB-C-Stecker zum Standardanschluss für Ladegeräte in der EU zu machen, um Abfall zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Dies wird die Nutzung von Ladegeräten und Zubehör für Verbraucher in der gesamten EU vereinfachen und effizienter gestalten. Die Kommission schätzte, dass die EU-Wirtschaft dadurch jährlich über 247,3 Millionen US-Dollar einsparen würde. 

Die Entscheidung der EU folgt einem Bericht der norwegischen Umweltbehörde, demzufolge 49 % des gesamten in Norwegen anfallenden Elektroschrotts von Smartphones , Tablets, Akkus und Ladegeräten stammen. Samsung, Huawei und Apple trugen dabei maßgeblich dazu bei. Die gestiegene Nachfrage nach diesen Produkten hat zu einem Anstieg des Elektroschrotts geführt, wobei Ladegeräte nur etwa 0,1 % des gesamten in Europa recycelten Elektroschrotts ausmachen. Tatsächlich verursachten Ladegeräte im Jahr 2021 rund 54.000 Tonnen Elektroschrott. Das neue Ladegerät soll zur Reduzierung des Elektroschrotts beitragen, indem es die Nutzer dazu anregt, ihre Akkus häufiger wiederzuverwenden und nicht benötigte Ladefunktionen zur Energieeinsparung umschaltet.

USB-C ist bereits der gängigste Anschluss bei Smartphones, Tablets, Laptops, Spielekonsolen und anderen elektronischen Geräten. Durch die Etablierung als Standardanschluss können Hersteller Kosten senken und die Produktionseffizienz steigern. Verbraucher werden zudem mehr Produkte mit USB-C-Anschluss bei verschiedenen Händlern in Europa finden.

Apple hält einen Marktanteil von über 21 % am europäischen Ladegerätemarkt 

Unseren jüngsten Erkenntnissen zufolge hält Typ B einen Marktanteil von über 50 %, gefolgt von Typ C (29 %) und Apples Lightning-Anschluss (21 %). Bis 2024 dürfte sich diese Situation ändern, da die EU-Vorgaben in Kraft treten und Typ C zum Standardladegerät für alle elektronischen Geräte machen. Samsung und andere Unternehmen, die auf dem EU-Markt tätig sind, fertigen bereits die meisten ihrer Smartphones mit Typ-C-Technologie. Apple hingegen muss sein gesamtes Ökosystem für die Ladegeräteherstellung umstrukturieren, da das Unternehmen keine Erfahrung mit Typ-C-Ladegeräten hat. 

Die Dominanz von Apple auf dem europäischen Markt dürfte bald nachlassen und anderen Anbietern eine lukrative Chance bieten, ihren Marktanteil durch attraktivere Produkte und Dienstleistungen weiter auszubauen. Beispielsweise könnten sie USB-C-Ladegeräte mit verschiedenen Schnellladetechnologien entwickeln oder umweltfreundliche Produkte herstellen. Dadurch könnten sie neue Kunden gewinnen und ihren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz vergrößern.

Das bedeutet, dass Apple seinen Marktanteil von 21 % im Jahr 2018 auf weniger als 5 % im Jahr 2025 verlieren wird. 

Apple wird in die Entwicklung eines Typ-C-Ladegeräts investieren müssen

Apple hat bisher noch kein USB-C-Ladegerät für sein iPhone veröffentlicht, doch das dürfte sich bald ändern. Die Akkutechnologie entwickelt sich rasant, und USB-C-Ladegeräte werden immer verbreiteter sein. Sie sind leistungsstärker und können mehrere Geräte gleichzeitig laden. Unseren Recherchen zufolge arbeitet das Unternehmen an der Markteinführung seines nächsten iPhones mit USB-C-Anschluss, Details dazu sind aber noch nicht bekannt. Es wird jedoch erwartet, dass das Unternehmen es im Laufe des nächsten Jahres auf den Markt bringen wird.

Wie bei den meisten Dingen dürfte die Einführung dieses Ladestandards sehr teuer werden. Denn Typ-C-Ladegeräte benötigen einen neuen Stecker, dessen Herstellung kostspielig und dessen Lieferung für Drittanbieter schwierig sein wird. Hinzu kommen die Kosten für die notwendige Unterstützung zur Steuerung des Stromflusses (einschließlich Leiterplatten).

Das bedeutet, dass Apple massiv in die Entwicklung von USB-C-Ladegeräten investieren muss, wenn diese sich in naher Zukunft flächendeckend durchsetzen wollen. Astute Analytica schätzt, dass die Entwicklung und Verbesserung der bestehenden Ladeinfrastruktur Apple in den nächsten Jahren bis zu 300 Millionen US-Dollar kosten könnte.

Wenn Apple sich jedoch für die Technologie anderer Hersteller wie Samsung und Qualcomm entscheidet, wird das Unternehmen zwar zweifellos Kosten bei der Forschung und Entwicklung sparen, dafür aber hohe Lizenzgebühren oder Provisionen zahlen müssen. 

Die Entwicklung eines USB-C-Ladegeräts wird für Apple dennoch nicht einfach sein. Das Unternehmen muss mit bestehenden Herstellern zusammenarbeiten, um die notwendige Technologie zu entwickeln. Darüber hinaus muss es neue Marketingstrategien finden, um das Produkt für die Verbraucher attraktiv zu machen. Kurz gesagt: Die Investition in USB-C-Ladetechnologie könnte eine der entscheidenden Strategien für Apple sein, um im Wettbewerb die Nase vorn zu behalten.